Neue Studie untersucht Menschen zwischen 60 und 75 Jahren und zeigt: Pauschale Altersbilder greifen zu kurz. Entscheidend für berufliches und
gesellschaftliches Weiterwirken sind individuelle Ressourcen, Gesundheit und Motivation. Die Ergebnisse liefern neue Ansatzpunkte für Politik, Gesundheitswesen und Wirtschaft.
Berlin, 5. November 2026. Die Generation der 60- bis 75-Jährigen verfügt über erhebliche Potenziale für Arbeitswelt und Gesellschaft, differenziert sich jedoch deutlich im Hinblick auf Gesundheit, soziale Einbindung sowie die Motivation und Fähigkeit, weiterhin aktiv zu sein. Das zeigt eine neue Studie zur „Generation Ü“, die am 5. November 2026 um 10:30 Uhr in den Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt wird. Veranstalter ist der
DSSV e. V. – Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen in Kooperation mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG), der BSA-Akademie, dem Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS), dem Generation Ü Netzwerk e.V. der IKK Südwest und der FIBO.
Studie macht unterschiedliche Potenziale sichtbar
Ziel der Studie ist es, die Potenziale der Generation Ü für ein weiteres berufliches oder gesellschaftliches Wirken realistisch einzuschätzen und eine empirische Grundlage für politische und gesellschaftliche Strategien zu schaffen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Erfahrung, Kompetenz und Leistungsfähigkeit älterer Menschen länger für Wirtschaft, Verwaltung, Gemeinwesen und Ehrenamt nutzbar gemacht werden können. Zugleich geht es darum, wie Gesundheit, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe gezielt gefördert und möglichst lange erhalten werden können.
Dafür nimmt die Studie Menschen zwischen 60 und 75 Jahren in den Blick. Anhand ihrer Ressourcen sowie ihrer Motivation und Fähigkeit, körperlich, sozial und beruflich aktiv zu sein, werden empirisch identifizierte Teilgruppen unterschieden. Die Ergebnisse zeigen: Die Generation Ü ist keine homogene Bevölkerungsgruppe. Die identifizierten Gruppen unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer körperlichen Ressourcen, ihrer Bedürfnisse und Potenziale.
25,6 Prozent der 60- bis 75-Jährigen wollen auch im bzw. über den Ruhestand hinaus beruflich oder gesellschaftlich weiterwirken und verfügen gleichzeitig über gute körperliche Voraussetzungen. Sie stehen damit beispielhaft für das Potenzial einer Generation, die auch nach dem Renteneintritt leistungsfähig und aktiv bleiben kann.
Gesundheit als Voraussetzung für weiteres Wirken
Deutlich wird, dass ein längeres berufliches oder gesellschaftliches Weiterwirken nicht allein von der Motivation abhängt. Körperliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind wesentliche Voraussetzungen für Alltagsfähigkeit und Teilhabe. Besonders sichtbar wird dieser Zusammenhang bei weiteren 8,1 Prozent der Befragten: Sie wollen beruflich weiterwirken und schätzen ihre berufliche Leistungsfähigkeit hoch ein, ihre körperlichen Voraussetzungen sind jedoch deutlich schwächer ausgeprägt. Obwohl Motivation und berufliche Ressourcen vorhanden sind, kann die körperliche Leistungsfähigkeit damit zum limitierenden Faktor werden. Der Ergebnisbericht empfiehlt deshalb gezielte Bewegungs- und Präventionsangebote, um Gesundheit und Arbeitsfähigkeit zu erhalten und längere Erwerbstätigkeit zu ermöglichen.
„Die entscheidende Frage ist nicht, wann jemand in Rente geht, sondern was er danach noch kann und will. Ein erheblicher Teil der Generation Ü möchte weiterhin etwas leisten und sich einbringen. Wenn körperliche Leistungsfähigkeit dabei zum limitierenden Faktor wird, ist Prävention nicht nur Gesundheitspolitik, sondern wird zur Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik“, erklärt Prof. Dr. Arne Morsch, Co-Autor der Studie und Leiter des Fachbereichs Gesundheitswissenschaft an der DHfPG.
Ansatzpunkte für Politik, Gemeinwesen und Wirtschaft
Die Ergebnisse liefern Ansatzpunkte für einen differenzierteren Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels. Sie zeigen, bei welchen Zielgruppen Potenziale für berufliches oder gesellschaftliches Engagement bestehen und wo gesundheitliche oder soziale Barrieren berücksichtigt werden müssen.
Für Politik, Gesundheitswesen und Wirtschaft eröffnet die Typologie damit die Möglichkeit, Maßnahmen gezielter auszurichten: von Prävention und Gesundheitsförderung bis hin zur Aktivierung vorhandener beruflicher und gesellschaftlicher Potenziale.
Prävention als Investition in gesellschaftliche Teilhabe
„Fehlende Gesundheit im Alter kostet Geld. Erhaltene Gesundheit hingegen schafft Wert. Sie ermöglicht Selbstständigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und längeres berufliches Wirken. Prävention muss deshalb möglichst früh ansetzen, bevor aus vorhandenen Ressourcen gesundheitliche Einschränkungen und zusätzlicher Versorgungsbedarf werden“, so Prof. Dr. Sarah Kobel, Co-Autorin der Studie sowie Leiterin des Fachbereichs Wissenschaft und Forschung an
der DHfPG.
Eine wichtige Rolle können dabei gesundheitsorientierte Fitness- und Gesundheitsanlagen übernehmen. Mit zielgruppenspezifischen Bewegungs- und Betreuungsangeboten können sie dazu beitragen, körperliche und psychische Gesundheit, Selbstständigkeit und soziale Teilhabe
zu erhalten. Dies sind nicht nur individuelle, sondern auch gesellschaftliche Ressourcen.
Sie möglichst lange zu erhalten, eröffnet Chancen für Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Gemeinwesen. Gleichzeitig kann der Erhalt von Gesundheit und Selbstständigkeit dazu beitragen, Gesundheits-, Pflege- und Sozialsysteme langfristig zu entlasten.


